Neuzeit ab 1800 - Freie Stadt Hamburg

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:


Zeittafel  IV  zur deutschen Geschichte: 1800 - 2000 (Teil A: 1806 - 1871)
    

Der Deutsche Bund: Deutschland von 1806/1815 bis 1871

1806 Oktober
Preußen nimmt allein den Kampf gegen Frankreich wieder auf, wird aber bei Jena und Auerstedt vernichtend geschlagen; Brandenburg-Preußen wird von französischen Truppen besetzt, der preußische Königshof in das unbesetzte Memel (Litauen) verlegt;
um den Staat vor der Auflösung zu bewahren, läßt der König "Ruhe als erste Bürgerpflicht" verkünden

Friedrich Wilhelm III. von Preußen (1797 - 1840)
1807 Juli
im "Frieden von Tilsit" verzichtet Preußen auf sämtliche Gebiete westlich der Elbe, behält dafür pro forma seine staatliche Souveränität (auf Druck des Zaren, der außer England als einziger noch nicht von Napoleon besiegt ist);
Preußen wird teilweise besetzt und muß Frankreich unerträgliche Tribute leisten
1807
Reichsfreiherr Karl vom Stein wird zum leitenden Minister des preußischen Rumpfstaates ernannt und beginnt sofort mit der Umsetzung seiner schon früher ausgearbeiteten Reformpläne: Verwaltungsreform, Neuordnung des Militärwesens, Befreiung der Bauern von der Leibeigenschaft
Reichsfreiherr Karl vom Stein (1757 - 1831), der Schöpfer der preußischen Staatsreform von 1807/10 und erbittertste politische Gegner Napoleons
1807/08
der Philosoph Johann Gottlieb Fichte richtet in seinen Berliner Vorlesungen "Reden an die deutsche Nation": Forderung nach einem freiheitlichen und selbständigen deutschen Nationalstaat
1808
Freiherr vom Stein wird auf französischen Druck hin entlassen, nachdem die Polizei einen Brief abgefangen hat, in dem er Pläne für den Widerstand gegen die französische Herrschaft entworfen hat
1809
Gründung der "Friedrich-Wilhelm-Universität" - Wilhelm von Humboldt wird ihr erster Rektor (deshalb heute Humboldt-Universität)
Der berühmteste Publizist der Befreiungskriege, Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860, "Geist der Zeit", 1806/13), war ein wortgewaltiger Flugschriften-Verfasser im Dienst der Stein'schen Politik. Als Achtzigjähriger war er noch an der Revolution von 1848 beteiligt und überbrachte als Alterspräsident der Nationalversammlung dem preußischen König das Angebot der deutschen Kaiserkrone.
1809/10
unter seinem leitenden Minister Graf Stadion versucht Österreich erfolglos, sich militärisch von der französischen Herrschaft zu befreien; der Tiroler Anführer des Freiheitskampfes, Andreas Hofer, wird in Mantua auf Befehl Napoleons hingerichtet
1812
nach dem Beginn von Napoleons Rußland-Feldzug beruft Zar Alexander I. den Freiherrn vom Stein als politischen Berater; dieser holt seinerseits den Schriftsteller Ernst Moritz Arndt als Propagandisten zur Vorbereitung der Befreiung Deutschlands zu sich nach St. Petersburg
1812 Dezember
der Befehlshaber des preußischen Hilfskorps Napoleons in Rußland, Graf Yorck von Wartenburg, erklärt seine Truppen zunächst für neutral, stellt sich dann auf die russische Seite und ruft gemeinsam mit Stein zur allgemeinen Bewaffnung und zum Volkskrieg gegen die Franzosen auf
1813 März
König Friedrich Wilhelm III. segnet General Yorcks Eigenmächtigkeit im nachhinein ab und erläßt den Aufruf "An mein Volk", das Fanal zum bedingungslosen Kampf gegen die napoleonische Tyrannei
August von Hardenberg, seit 1810 Staatskanzler, führte die preußischen Reformen weitgehend im Sinne des Freiherrn vom Stein fort.
1813 August
Österreich schließt sich der preußisch-russischen Koalition gegen Frankreich an
1813 Oktober
Bayern verläßt den Rheinbund und tritt an die Seite Rußlands, Preußens und Österreichs
1813 Oktober
nachdem russische und preußische Verbände die Franzosen aus Rußland vertrieben haben, stehen sich am 16. Oktober in Sachsen eine Armee der Alliierten mit 205.000 Mann und ein französisches Heer von 190.000 Mann gegenüber:
in der "Völkerschlacht bei Leipzig" wird Napoleon in dreitägigem Kampf geschlagen und flieht nach Frankreich
1814 März
preußische, russische, österreichische und englische Truppen marschieren in Paris ein und vollenden die Befreiungskriege; Napoleon wird zunächst auf die Insel Elba, nach einem weiteren Anschlag gegen den Frieden nach St. Helena verbannt
General Neidhardt von Gneisenau (1760 - 1831), der 'militärische Arm' der preußischen Reformpolitik und Generalstabschef in den Befreiungskriegen 1813/15
1814/15
auf dem "Wiener Kongreß" soll unter dem Vorsitz des österreichischen Staatskanzlers Metternich die europäische Staatenwelt neu geordnet werden:
gegen den Willen Preußens werden Frankreich die bis 1793 eroberten Territorien gelassen, auch sonst werden milde Friedensbedingungen zugestanden, da Alexander I. von Rußland um die Stabilität des Mächte-Gleichgewichts fürchtet;
das Heilige Römische Reich wird nicht wiederbelebt, sondern nur ein loser Staatenbund aus 35 autonomen Ländern und Städten geschaffen, der "Deutsche Bund": entgegen den Versprechungen der Befreiungszeit gibt es keinen freiheitlichen Bundesstaat und auch keine Verfassungen in Preußen und Österreich; es folgt die "Restaurations"-Zeit, eine Phase der Regeneration für die alten Monarchien
1817
zur Feier des 300. Jahrestages der Reformation treffen sich 500 Studenten und Professoren auf der Wartburg bei Eisenach und demonstrieren für die nationale Einheit und Freiheit Deutschlands ("Wartburgfest")
Der bei Waterloo endgültig geschlagene "Kaiser" Napoleon auf dem Weg nach St. Helena in die Verbannung.
1819
die Ermordung des reaktionären Schriftstellers August von Kotzebue durch einen fanatischen Studenten nehmen die versammelten Vertreter der Fürsten, allen voran Metternich, zum Anlaß für die "Karlsbader Beschlüsse" - Verbot von Studentenverbindungen, Überwachung des politischen Verhaltens von Professoren und Studenten, Zensur aller Zeitungen und Zeitschriften, Berufsverbote für die Publizisten Arndt, Görres, den "Turnvater" Jahn u.a. ("Demagogenverfolgung")
1832
angeregt durch die Pariser Juli-Revolution von 1830, versammeln sich etwa 30.000 Bürger, Handwerker, Arbeiter und - wiederum - Studenten und Professoren zum "Hambacher Fest" (bei Neustadt/Weinstraße): das Volk droht, Einheit und Freiheit des Vaterlandes notfalls ohne die Fürsten zu bewerkstelligen
Der österreichische Staatskanzler von 1809 bis 1848, Clemens Fürst von Metternich, sorgte während seiner langen Regierung für die Restauration der monarchischen Zustände in Europa.
1834 bis 1854
aufgrund von Hungersnöten, Arbeitslosigkeit und politischer Verfolgung wandern Millionen von Deutschen nach Amerika und nach Rußland aus
1835
zwischen Nürnberg und Fürth fährt die erste deutsche Eisenbahn - ein Signal für die beginnende Industrialisierung

Karl Marx (1818 - 1883)
1844
in Schlesien erheben sich 3000 Weber gegen ihre Arbeitgeber und deren Ausbeutungsmethoden; diese erste proletarische Aufstand des Frühkapitalismus wird von preußischem Militär blutig niedergeschlagen
1848 Februar
Karl Marx und Friedrich Engels veröffentlichen in London das "Manifest der kommunistischen Partei" - zunächst ohne größere Beachtung
1848 März
"März-Revolution":
nach dem Vorbild der französischen Revolutionsunruhen vom Februar kommt es in vielen deutschen Städten zu spontanen Volksversammlungen, auf denen Presse- und Gedanken- und Vereinsfreiheit, eine Volksmiliz und ein nationales Parlament verlangt werden; in Wien finden Straßenkämpfe statt; Metternich, der verhaßte Anführer der Reaktion, flieht nach England; aus einer Großkundgebung vor dem Berliner Schloß entwickelt sich ein von der Polizei angerichtetes Blutbad und anschließend Barrikadenkämpfe;
der Kaiser von Österreich und der preußische König versprechen die Einführung von Verfassungen; nach Zustimmung aller Einzelstaaten wird beschlossen, durch allgemeine, freie und gleiche Wahlen ein gesamtdeutsches Parlament in Frankfurt zu konstituieren

Frankfurter Paulskirche zur Zeit der Revolution von 1848/49
1848 Mai
die Frankfurter Nationalversammlung (auch "Paulskirchen-Parlament" genannt) tritt erstmals zusammen; das hauptsächlich aus Bildungsbürgern bestehende "Professorenparlament" wählt den liberalen Freiherrn von Gagern zum Versammlungspräsidenten und als provisorisches Staatsoberhaupt den Erzherzog Johann von Österreich zum "Reichsverweser"
1849 März
Verabschiedung einer Reichsverfassung unter Einbeziehung der zuvor beschlossenen "Grundrechte": Deutschland soll eine konstitutionelle Monarchie mit Gewaltenteilung und allen bürgerlichen Rechten, jedoch ohne adelige Standesvorrechte werden
1849 April
der preußische König Friedrich Wilhelm IV. lehnt die ihm von der Volksvertretung angebotene Kaiserkrone wegen des "Ludergeruchs der Revolution" ab - das Parlament ist ratlos
Schwarz, rot und gold waren seit dem Hambacher Fest von 1832 die Farben der deutschen Einigungs- und Freiheitsbewegung - in der 1848er Revolution sollte daraus die deutsche Nationalflagge werden.
1849 April/Mai
um die beschlossene Reichsverfassung dennoch durchzusetzen, erheben sich in Baden, Sachsen, der Pfalz und Württemberg radikaldemokratische Aufstände, die von preußischen, österreichischen und württembergischen Truppen niedergeschlagen werden - die "48er-Revolution" ist gescheitert
1850
der Frankfurter Bundestag, das Verfassungsorgan des "Deutschen Bundes", wird wiedereröffnet
1858
König Wilhelm I., der spätere erste Kaiser des Zweiten Kaiserreichs, tritt in Preußen die Regentschaft an
Friedrich Wilhelm IV. , seit 1840 König von Preußen, lehnte 1849 die deutsche Kaiserkrone ab. Er wurde 1858 entmündigt und an seiner Stelle Wilhelm I. zum regierenden preußischen Monarchen erklärt.
1862
Fürst Otto von Bismarck wird vom König zum preußischen Ministerpräsidenten ernannt
1863
Gründung des "Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins" durch Ferdinand Lassalle: die erste große Sammlung der politischen Kräfte des Proletariats und der Anfang der Sozialdemokratie
1864
"Deutsch-Dänischer Krieg":
durch einen gemeinsamen Feldzug holen Preußen und Österreich die Herzogtümer Schleswig und Holstein, die sich der dänische König widerrechtlich angeeignet hatte, in den Deutschen Bund zurück und erfüllen damit eine zentrale Forderung der Revolutionäre von 1848
1866
aus dem Streit um die Hegemonie über das eben zurückgewonnene Schleswig-Holstein entwickelt sich ein preußisch-österreichischer Krieg, bei dem das neue Königreich Italien mit Preußen im Bunde steht;
Bismarck erklärt den Deutschen Bund für aufgelöst, besiegt die von Österreich aufgebotene Bundesarmee in wenigen Wochen, annektiert für Preußen Hannover, Kurhessen, Nassau und Frankfurt und gründet den "Norddeutschen Bund"; Österreich verliert Venetien an Italien
Otto Fürst von Bismarck (1815 - 1898) wurde 1862 preußischer Ministerpräsident, 1866 Regierungschef des Norddeutschen Bundes, 1871 Kanzler des neugegründeten (zweiten) deutschen Kaiserreiches. Als "Eiserner Kanzler" war er 30 Jahre lang die bestimmende Persönlichkeit der deutschen Politik.
1867
die Verfassung des Norddeutschen Bundes tritt in Kraft: seine Volksvertretung, der Bundesrat, kommt durch allgemeine, gleiche und direkte Wahlen zustande; Bismarck gewinnt dadurch die Sympathie vieler Liberaler
1870
wird einer Seitenlinie des hohenzollern'schen Königshauses von Preußen die spanische Krone angetragen; Kaiser Napoleon III. von Frankreich fürchtet eine strategische Einkreisung und will die deutsche Thronkandidatur unter allen Umständen verhindern;
Bismarck gibt die überzogenen Forderungen Napoleons an die Presse weiter und stellt damit Frankreich vor aller Welt diplomatisch bloß (Emser Depesche) ; Frankreich erklärt Preußen den Krieg

1870/71
"Deutsch-Französischer Krieg" und Gründung des Zweiten Kaiserreichs:
unter der Anteilnahme ganz Deutschlands greift die preußische Armee an, nimmt den französischen Kaiser Napoleon III. gefangen und erobert Paris; nach Bismarcks Verhandlungen mit den deutschen Fürsten wird noch während des Krieges im Januar 1871 das Deutsche Reiche neugegründet und Wilhelm I. von Preußen zum Kaiser gekrönt;
Bismarck setzt gegen "großdeutsche" Bestrebungen durch, daß Österreich von der Reichsgründung ausgeschlossen wird


1871: Krönung des preußischen Königs Wilhelms I. von Hohenzollern zum Kaiser des Deutschen Reichs im Spiegelsaal des Königsschlosses von Versailles in Anwesenheit der meisten deutschen Fürsten, die von Bismarck überzeugt worden sind, ihre Souveränität aufzugeben
Zeittafel  IV  zur deutschen Geschichte: 1800 - 2000 (Teil B: 1871 - 1918)
Das Zweite Kaiserreich: Deutschland von 1871 bis 1918
1870/71
"Deutsch-Französischer Krieg" und Gründung des Zweiten Kaiserreichs:
auf Grund der französischen Kriegserklärung an Preußen greift die preußische Armee an, erobert in wenigen Wochen Paris und setzt den Kaiser Napoleon III. gefangen; nach Bismarcks Verhandlungen mit den deutschen Fürsten wird noch während des Krieges im Januar 1871 im Spiegelsaal des Versailler Schlosses das Deutsche Reiche neugegründet und Wilhelm I. von Preußen zum Kaiser gekrönt;
Bismarck setzt gegen "großdeutsche" Bestrebungen durch, daß Österreich von der Reichsgründung ausgeschlossen wird
General Reille überreicht Wilhelm I. die Kapitulation des französischen Kaisers
1871
Ende des Krieges durch den Vorfrieden von Versailles (im Februar) und den Friedensschluß von Frankfurt (Mai): Frankreich muß Elsaß-Lothringen wieder an Deutschland abtreten und 5 Mrd. Francs Kriegsentschädigung zahlen
Kaiser Wilhelm I. überließ während seiner Herrschaft (1871 - 1888) dem Kanzler Bismarck das Regieren.
1871 bis 1878
im sogenannten "Kulturkampf" versucht Reichskanzler Bismarck, durch repressive Gesetze den politischen Katholizismus und das Jesuitentum in die Schranken zu weisen - weitgehend erfolglos, wie der beständige Zuwachs für die Abgeordneten-Fraktion der antiliberalen und reaktionären Zentrumspartei im Reichstag bis 1907 zeigt
1875
Gründung der "Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands" (SAP), die sich 1890 in "Sozialdemokratische Partei Deutschlands" (SPD) umbenennt; führende Köpfe der sozialistischen Bewegung sind seit den 60er Jahren August Bebel und Karl Liebknecht
August Bebel, der Gründer der Sozial-demokratie, blieb bis zu seinem Tod 1913 die bestimmende Persönlichkeit seiner Partei
1878
beunruhigt von den Wahlerfolgen der Arbeiterpartei, läßt Bismarck den Reichstag ein Gesetz "wider die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie" beschließen (sog. Sozialistengesetze): Verbot von sozialistischen Zeitungen und Vereinigungen (bis 1890)
1879
Abschluß des bis 1918 gültigen "Zweibunds", eines Beistandsvertrags mit Österreich-Ungarn für den Fall eines russischen Angriffs; durch den Beitritt Italiens 1882 bildet sich hier bereits die anfängliche Bündniskonstellation des ersten Weltkriegs heraus
1883 bis 1889
Einführung der weltweit fortschrittlichsten Sozialgesetze:

Carl Benz (1844 - 1929) baute 1885 das erste motorgetriebene Automobil
1883
Krankenversicherungen für Arbeiter (Beitragszahlung zu gleichen Teilen durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber)
1884
Arbeiter-Unfallversicherung (ohne Arbeitnehmer-Anteil)
1884/85
Bismarck gibt seinen Widerstand gegen den Erwerb von Kolonien auf:
Deutsch-Südwestafrika (Namibia), Togo, Kamerun, später auch Deutsch-Ostafrika (Tansania) und einige Atolle in der Südsee werden zu "Schutzgebieten" des Reiches erklärt
1889
Renten- und Invalidenversicherung (Rentenbezug ab 70 Jahren bzw. bei Arbeitsunfähigkeit - Beiträge je zur Hälfte von Arbeitern und Unternehmern)

Benz-Kraftwagen "Viktoria" (1893)

Bismarcks Zielsetzung, die Arbeiterschaft mit dem Staat zu versöhnen und die sozialistischen Organisationen zu schwächen, erfüllt sich nur zum Teil
1888
Bismarck gibt seinen Widerstand gegen den Erwerb von Kolonien auf:
Deutsch-Südwestafrika (Namibia), Togo, Kamerun, später auch Deutsch-Ostafrika (Tansania) und einige Atolle in der Südsee werden zu "Schutzgebieten" des Reiches erklärt
1890
Bismarck sieht sich durch politische Unstimmigkeiten mit dem neuen Kaiser, der nicht wie sein Großvater dem Kanzler das Regieren überlassen, sondern selber die Leitlinien der Politik festlegen will, veranlaßt, sein Rücktrittsgesuch einzureichen - mit seiner Entlassung am 20. März endet die Ära des "Eisernen Kanzlers"

Kaiser für 100 Tage: Friedrich III. von Hohenzollern
1897
das chinesische Kiautschou-Gebiet wird deutsche Kolonie (Pachtvertrag auf 99 Jahre); binnen 17 Jahren bauen deutsche Kaufleute, Beamte und Marineoffiziere den Hafen Tsingtau zu einer Handelsstadt mit vorbildlicher Infrastruktur aus - 1914 übernehmen die Japaner Tsingtau
seit 1898
auf Betreiben des Kaisers und seines Admirals Alfred von Tirpitz Erlaß einer Reihe von Flottengesetzen und Bau vieler neuer Schiffe zur Verstärkung der Marine, welche den Überseehandel besser schützen soll - Deutschland tritt als Seemacht in Konkurrenz zum englischen Kolonial-Weltreich
1900
das bis heute in weiten Teilen gültige "Bürgerliche Gesetz-Buch" (BGB), das erste einheitliche Zivilrecht für ganz Deutschland, wird eingeführt

    
"Der Lotse geht von Bord" - Karikatur über die Entlassung Bismarcks durch Kaiser Wilhelm II.
1908
Annexion der ehemals türkisch Besetzten Gebiete Bosnien und Herzegowina durch Österreich-Ungarn
1914 (28. Juni)
Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand und seiner Frau während eines Besuchs in Sarajewo durch einen serbischen Terroristen
1914
"Julikrise":
die österreichische Regierung verlangt von Serbien die Auslieferung des Attentäters und die Verfolgung seiner Hintermänner in Serbien; die serbische Regierung erfüllt die ultimativen Forderungen Österreichs nur teilweise, und nach einer Beistandszusage Kaiser Wilhelms II. erfolgt am 28. Juli die Kriegserklärung Wiens an Belgrad
1914 (Juli/August)
eine aus dem Bündnissystem resultierende Kettenreaktion führt zum ersten Weltkrieg:
Rußland, auf serbischer Seite stehend, erklärt Österreich den Krieg, daraufhin mobilisiert das Deutsche Reich gegen Rußland und seinen Verbündeten Frankreich, marschiert in Belgien ein, womit auch für England der Bündnisfall eintritt; die englische Kriegserklärung an Deutschland erfolgt am 4. August;    Kaiser Wilhelm II. ruft die Deutschen zum Kriege;
alle Parteien im Reichstag einschließlich der Sozialdemokratie stimmen den Vorschlägen der Regierung zur Finanzierung des bevorstehenden Krieges zu
Großadmiral Alfred von Tirpitz, Organisator der deutschen Flottenrüstung und wichtigster Exekutor der kaiserlichen Kolonialpolitik
1914/15
der deutsche Angriff im Westen fährt sich in der Marne-Schlacht und bei Verdun zu einem Stellungskrieg gegen die englisch-französischen Truppen fest;
im Osten schlägt General Paul von Hindenburg bei Tannenberg und in mehreren anderen Schlachten die russischen Armeen
1915
im Seekrieg gegen England versenkt ein deutsches U-Boot den Passagierdampfer "Lusitania", wobei auch 120 amerikanische Staatsbürger sterben

Die Ermordung des österreichischen Kronprinzen-Paares in Sarajewo
1916 (November)
Tod Kaiser Franz Josephs von Österreich, des ältesten Monarchen in Europa (Kaiser seit 1848)
1916 (Dezember)
Deutschland und seine Verbündeten unterbreiten den Entente-Mächten Großbritannien und Frankreich durch Vermittlung der USA ein Friedensangebot ohne nähere Bedingungen, das aber abgelehnt wird
1917
nach einer Phase der Zurückhaltung nimmt die deutsche Marine den U-Boot-Krieg im Atlantik wieder auf - da immer wieder auch der englisch-amerikanische Zivilverkehr davon betroffen ist, treten die USA auf der Seite der Westalliierten in den Krieg gegen Deutschland ein  

Kaiser Franz Joseph von Österreich
1918 (März)
unter dem Druck völliger Erschöpfung und der inneren revolutionären Vorgänge seit dem Oktober 1917 zieht Rußland sich durch den "Frieden von Brest-Litowsk" aus dem Krieg zurück; Lenin muß große Gebiete in Osteuropa abtreten bzw. in die Unabhängigkeit entlassen
1918 (September)
nach dem Scheitern der "Frühjahrsoffensive" in Frankreich und dem Vorrücken alliierter Truppen seit Juli/August gesteht Generalstabschef Ludendorff ein, daß der Krieg für Deutschland nicht mehr zu gewinnen sei
1918 (Oktober)
Waffenstillstandsangebot des neuen Reichskanzlers Max von Baden an die Alliierten, in dem er sich auf den 14-Punkte-Friedensplan des amerikanischen Präsidenten Wilson beruft

Kaiser Wilhelm II.
1918 (November)
das Ende des Wilhelminischen Kaiserreichs:
Meuterei von Matrosen in Wilhelmshaven und anderen Kriegshäfen; zusammen mit aufständischen Arbeitern werden von den Meuterern "Arbeiter- und Soldatenräte" gebildet - der Bolschewismus droht von Rußland auf Deutschland überzuspringen;
unter dem Eindruck der allgemeinen Kriegsmüdigkeit und der revolutionären Volksstimmung tritt Prinz Max von Baden zurück, der Kaiser dankt am 9. November ab und geht nach Holland ins Exil
1918 (9. November)
Ausrufung der Republik:
am Tag der Abdankung Kaiser Wilhelms II.    ruft der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann in Berlin die "Deutsche Republik" aus; die 1916 als Abspaltung von der SPD entstandenen kommunistischen "Spartakisten" Karl Liebknechts versucht durch eine zweite Republik-Verkündung, den Zusammenbruch der Monarchie für die Eröffnung der Revolution auszunutzen

Philipp Scheidemann, der Nachfolger Eberts als Kanzler der Weimarer Republik
1918 (11. November)
Besiegelung des Waffenstillstands an Fronten - der Krieg ist beendet


    
Zeittafel  IV  zur deutschen Geschichte: 1800 - 2000 (Teil C: 1919 - 1945)
    

"Weimarer Republik" und "Drittes Reich": Deutschland von 1919 bis 1945
 
1919 (22. Juni)
in Weimar beschließt die Nationalversammlung die neue Verfassung (daher der Name "Weimarer Republik")

Karl Liebknecht








Die Frauen-rechtlerin Rosa Luxemburg wurde, zusammen mit ihrem kommunistischen Genossen Karl Liebknecht, 1919 in den Wirren der Republik-Gründung verhaftet und getötet.
Friedrich Ebert, Kanzler der Übergangszeit von der Monarchie zur Republik, dann bis zu seinem Tode 1925 erster Reichspräsident



General Erich Ludendorff, neben Feldmarschall Hindenburg wichtigster Heeresführer des 1. Weltkrieges, war während der Zeit der Weimarer Republik an mehreren Attacken von rechts gegen das verhaßte System beteiligt
1919 (28. Juni)
"Versailler Friedensvertrag":
angesichts der Drohung der Alliierten, den Krieg erneut zu eröffnen und nach Deutschland einzumarschieren, sieht die SPD-Regierung sich gezwungen, das von den Siegern allein ausgehandelte und den Deutschen ohne Mitsprache-recht diktierte Vertragswerk zu unterzeichnen;
die erpreßte Annahme des Versailler Diktats belastet die Republik und ihre Akzeptanz in der Bevölkerung von Anfang an schwer; die Hauptbestimmungen lauten:

1. der Kaiser sowie mehrere Generäle und Politiker sollen als "Kriegsverbrecher" ausgeliefert werden
2. Deutschland muß rund 70.000 km² Territorium abtreten, hauptsächlich an Polen, Frankreich und Belgien
3. die deutsche Stadt Danzig wird unter Völkerbundsmandat gestellt und damit polnischem Einfluß ausgeliefert
4. alle deutschen Kolonien müssen an die Siegermächte abgegeben werden
5. sämtliches Kriegsmaterial ist an die Alliierten auszuliefern
6. die künftige deutsche Armee bleibt auf ein Berufsheer von 100.000 Mann beschränkt
7. alle alliierten Kriegsgefangenen müssen von Deutschland sofort freigelassen werden, während die deutschen Gefangenen erst später heimkehren dürfen
8. große Teile des deutschen Rheinlandes sollten auf unbestimmte Zeit von französischen und englischen Truppen besetzt bleiben
9. Deutschland (und seinen Verbündeten) wird die alleinige Kriegsschuld zugewiesen, mit der Konsequenz, daß es Reparationszahlungen in Höhe von 269 Milliarden Goldmark in 42 Jahresraten zu zahlen haben würde (1921 revidiert: 132 Mrd.)
10. Österreich muß Südtirol an Italien abtreten und darf sich nicht mehr an das Deutsche Reich anschließen; die Donaumonarchie wird zerstückelt und in autonome Kleinstaaten aufgelöst
1920
Kapp-Putsch: unter der Führung des ostpreußischen Politikers Kapp bildet eine Gruppe aus Reichswehroffizieren und Freikorps-Angehörigen in Berlin eine Gegenregierung; obwohl Heeresleiter General von Seeckt nicht eingreift, bricht der Putsch nach wenigen Tagen unter einem Generalstreik der Gewerkschaften und Beamten zusammen.  
Eine andere ständige Bedrohung für den Bestand der Weimarer Republik: die kommunistische Partei (KPD) mit ihrem Anführer Ernst Thälmann
1921
eine Volksabstimmung ergibt, daß die Mehrheit der Bevölkerung Oberschlesiens bei Deutschland bleiben will; trotzdem wird das Gebiet geteilt und wichtige Industrieregionen mit 400.000 deutschen Einwohnern dem neuen polnischen Staat zugeschlagen
Außenminister Walther Rathenau, verantwortlich für den Rapallo-Vertrag, wurde 1922 von rechten Republik-Gegnern ermordet
1922
Abschluß des "Rapallo-Vertrags" zwischen Deutschland und Sowjetrußland: Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen, Handelsabkommen, gegenseitiger Verzicht auf Kriegsentschädigunge
1922/23Wirtschaftskrise und Hyper-Inflation in Deutschland (Stand 15.11.1923: 1 US-Dollar = 4200 Milliarden Mark); die Alliierten verlangen die im Versailler Diktat festgesetzten Reparationen, Deutschland ist außerstande, sie zu erbringen
1923 (Januar)Einmarsch französischer und belgischer Truppen in das Ruhrgebiet, um gewaltsam deutsche Reparationsleistungen in 'Naturalien' (Rohstoffe, Industrieprodukte) einzutreiben; Reichskanzler Cuno fordert das Volk zu passivem Widerstand auf, England und die USA protestieren gegen das Vorgehen Frankreichs, dennoch dauert die Besatzung bis 1925 an
1923 (September)
Reichskanzler Gustav Stresemann bricht den passiven Widerstand gegen die Ruhrbesetzung ab und verhängt den Ausnahmezustand; die linksradikalen Regierungen Sachsens und Thüringens sowie das monarchistische Bayern erkennen die Beschlüsse der Berliner Reichsregierung nicht an, General von Seeckt zerschlägt mit der Reichswehr die kommunistischen Aufstände

1923 (November)"Hitler-Putsch":
mit der Unterstützung von Teilen der bayerischen Landesregierung und des ehemaligen Generals und Kriegshelden Ludendorff versucht Adolf Hitler, Führer der 1920 gegründeten Nationalsozialistischen Partei Deutschlands (NSDAP), von Bayern aus die Macht in Deutschland zu übernehmen; das Unternehmen bricht zusammen, weil von Seeckt erstmalig die Reichswehr gegen einen Putschversuch von rechts einsetzt und Hitlers "Marsch auf die Feldherrnhalle" niederschießen läßt;
Hitler wird zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er als ehemaliger Soldat ein Jahr in Festungshaft absitzen muß - er nutzt die Zeit und schreibt in der Gefangenschaft sein politisches Programm nieder: "Mein Kampf"
Adolf Hitler mit General Ludendorff vor Beginn des Prozesses gegen die Rädelsführer des Münchner Putschversuchs von 1923
1925Tod Friedrich Ebert und Wahl des 78-jährigen Generalfeldmarschalls a.D. Paul von Hindenburg zum neuen Reichspräsidenten (als Kandidat der konservativen und rechten Parteien)
1926Außenminister Stresemann schließt im schweizerischen Locarno mit den Siegermächten einen Vertrag über die Unverletzlichkeit der bestehenden Westgrenzen, erreicht aber immer noch keine Räumung des Rheinlandes von fremden Truppen; die rechte Opposition läuft Sturm gegen diese Preisgabe deutscher Gebietsansprüche
Gustav Stresemann, die herausragende politische Gestalt in den verhältnismäßig ruhigen Jahren von 1923 bis 1929
1928  Gustav Stresemann: Rede zur Reichstagswahl 1928
erster bemerkenswerter Wahlerfolg der NSDAP: die Partei erzielt 2,6% und zieht mit 12 Abgeordneten in den Reichstag ein

1929der "schwarze Freitag" und die darauffolgende Wirtschaftskrise treffen auch Deutschland schwer: viele Firmen und Banken brechen zusammen, die Arbeitslosigkeit steigt von 1,6 Millionen bis 1931 auf 4,3 Millionen, bis Anfang 1933 auf über 6 Millionen an;
mit der Annahme des "Young-Plans" durch Stresemann werden die deutschen Reparationen auf 115 Mrd. Mark 59 Jahresraten festgelegt, im Gegenzug soll das Rheinland bis 1930 von den Alliierten freigegeben werden
1929 (Oktober)
Tod Gustav Stresemanns
1930 (März)
Präsident von Hindenburg ernennt auf Grund seiner herausragenden verfassungsmäßigen Stellung den Zentrumspolitiker Heinrich Brüning zum Reichskanzler, ob wohl dieser sich nicht auf eine Mehrheit im Parlament stützen kann; Brüning regiert mit Hindenburgs präsidialer Macht im Rücken, das Parlament jederzeit auflösen zu können, durch Notverordnungen, d.h. ohne bzw. gegen den Reichstag

    
Der 'Notverordnungs-Kanzler' Heinrich Brüning (Zentrumspartei)
1930 (September)bei der Reichstagswahl wächst die Zahl der NSDAP-Abgeordneten von 12 auf 107 (18,3%) an, die der Kommunisten von 54 auf 77 (13,1%) - noch haben die demokratischen Parteien zusammen eine überwältigende Mehrheit im Volk; ungeachtet des Wahlausgangs läßt Hindenburg den Kanzler Brüning weiter regieren
  Paul von Hindenburg: Radioansprache zur Reichspräsidentenwahl
    
1932 (April)
Paul von Hindenburg wird als Reichspräsident für weitere 7 Jahre wiedergewählt, diesmal als Kandidat der SPD und der demokratischen Parteien gegen Hitler, den Kandidaten der deutschnationalen Parteien, und den kommunistischen Anwärter Ernst Thälmann;
  Kurt Schumacher (SPD) hält im Reichstag eine Rede gegen die Nazis, die ihn später für zehn Jahre ins Konzentrationslager bringen wird
1932 (Mai)nach einer Vertrauenskrise wird Brüning vom Reichspräsidenten entlassen und der rechtskonservative Zentrums-Abgeordnete Franz von Papen mit dem Amt des Reichskanzlers betraut
Franz von Papen sollte im "Kriegsverbrecher-Prozeß" 1945/46 als einer der Hauptangeklagten verurteilt werden, weil er Hitler mit zur Macht verholfen hatte, wurde aber freigesprochen.
1932 (Juli- November)die Reichstagswahl bringt das bislang höchste Ergebnis für Hitlers NSDAP, die zur stärksten Partei wird: 230 Abgeordnete (37,8%) - Hermann Göring als Vertreter der größten Fraktion wird Parlamentspräsident;
Hitler fordert von Hindenburg den Regierungsauftrag, wird aber schroff abgewiesen; von Papen regiert weiter, doch erleidet er im September eine verheerende Niederlage in einer Vertrauensabstimmung, woraufhin der Präsident den Reichstag sofort auflöst, damit von Papen im Amt bleiben kann;
von Papen versucht Hindenburg zu überreden, überhaupt nicht mehr neu wählen zu lassen, doch der Präsident lehnt den Verfassungsbruch ab; bei der Neuwahl im November verliert Hitler 4 Millionen Stimmen, die NSDAP bleibt dennoch stärkste Partei mit 196 Abgeordneten (33,1%)
1932 (Dezember)nach dem endgültigen Scheitern von Papens ernennt Hindenburg den parteilosen General Kurt von Schleicher zum Reichskanzler, der das Ziel verfolgt, den Nationalsozialisten durch ein massenhaftes Arbeitsbeschaffungsprogramm den Wind aus den Segeln zu nehmen oder sie zu spalten

    
General Kurt von Schleicher, ein enger Vertrauter Hindenburgs und als Reichskanzler der letzte Versuch, Adolf Hitler von der Macht fernzuhalten
1933 (30. Januar)Hitlers "Machtergreifung":
nachdem Hindenburg sich durch Franz von Papen und andere von der 'Gefährlichkeit' der Pläne Schleichers hat überzeugen lassen, verweigert er seinem Kanzler eine erneute Reichstags-Auflösung und entscheidet sich für die scheinbar letzte noch verbliebene Möglichkeit einer stabilen Regierungsbildung - er beruft ` Adolf Hitler zum Reichskanzler;
Hitler bildet mit Franz von Papen als Vizekanzler ein Kabinett der "nationalen Einigung", dem zunächst außer dem Kanzler selber nur zwei Nationalsozialisten, Hermann Göring und Wilhelm Frick, außerdem mehrere Minister von der Deutsch-Nationalen Volkspartei (DNVP) und Parteilose angehören;
verabredungsgemäß löst der Reichspräsident das Parlament auf, um einige von Hitler gewünschte Notverordnungen über die Gleichschaltung der Länder mit dem Reich zu erlassen und den Weg für Neuwahlen freizumachen
1933 (Februar)   Adolf Hitler: Rede nach der Machtergreifung
eine Woche vor der Parlamentswahl setzt der niederländische Anarchist Marinus van der Lubbe das Berliner Reichstagsgebäude in Brand, beschwört damit Befürchtungen weiterer kommunistischer Aufstandsversuche herauf und gibt Hitler die Gelegenheit zu Maßregeln gegen die Oppositionsparteien


    
30. Januar 1933: Siegesfeier nach der "Machtergreifung"
1933 (5. März)in der letzten freien Wahl bis 1949 erreicht die NSDAP wiederum keine absolute Mehrheit, sondern ist mit ihren 43,9% auf die 8% der Stimmen für die DNVP angewiesen
1933 (20. März)nahe Dachau läßt der SS-Führer und bayerische Polizeichef Himmler das erste "Konzentrationslager" einrichten, ein Freiluftgefängnis, das zunächst hauptsächlich für die vielen bereits verhafteten und noch festzunehmenden Kommunisten und Sozialdemokraten bestimmt war
1933 (23. März)der Reichstag verabschiedet geschlossen, mit Ausnahme der 94 anwesenden SPD-Abgeordneten, das "Ermächtigungsgesetz", mit dem sich das Parlament selbst entmachtet und der Regierung Hitler Gesetzgebungsvollmacht erteilt

    
Reichstagsbrand
1933 (seit Mai)Liquidation sämtlicher Parteien außer der NSDAP: KPD und SPD werden verboten, die übrigen lösen sich - teilweise unter Zwang - selbst auf, die Neugründung von Parteien wird als "hochverräterisch" verboten; die Gewerkschaften werden zur "Deutschen Arbeitsfront" (DAF) zusammengefaßt (1934); der 1. Mai wird als "Tag der nationalen Arbeit" gesetzlicher Feiertag, womit Hitler eine langjährige Forderung der politischen Linken erfüllt
1933 (Dezember)die NSDAP wird per Gesetz zur Staatspartei mit amtlichen Funktionen erklärt

   
links: Selbstinszenierung Hitlers und Propaganda-Auftritte mit dem "Marschall des Volkes" Hindenburg nach der Machtergreifung

1934 (Juni/Juli)
der "Röhm-Putsch":
um einem möglicherweise geplanten Putsch des sozialrevolutionären 'linken' Flügels der NSDAP unter Führung des SA-Chefs Ernst Röhm zuvorzukommen und um die führenden Reichswehr-Generäle hinsichtlich der Gefahr zu beruhigen, die vom Millionenheer bewaffneter SA-Männer ausgeht, läßt Hitler den Anführer Ernst Röhm, mehrere hundert weiterer SA-Mitglieder sowie einige andere politische Gegner verhaften und hinrichten; zu den Opfern gehören auch General von Schleicher und Hitlers Putschkamerad von 1923, der ehemalige bayerische Ministerpräsident Gustav von Kahr;
Reichswehr-Minister von Blomberg zeigt sich befriedigt darüber, daß die SA durch den Verlust ihrer wichtigsten Führer gezähmt ist und keine Rolle mehr spielen wird

    
SA-Führer Ernst Röhm
1934 (August)Tod des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg; Hitler übernimmt das Präsidentenamt zusätzlich und läßt sich in seiner Doppelfunktion als "Führer und Reichskanzler" titulieren
1935 (Januar)das Saarland, seit dem Versailler Diktat unter französischer Verwaltung, kehrt zu Deutschland zurück, nachdem sich in einer Volksabstimmung über 90% der Saarländer dafür ausgesprochen haben

    
Der Weltkriegs-Heros und spätere Reichspräsident Paul von Hindenburg (1847 - 1934)
1935 (März)Einführung der allgemeinen Wehrpflicht (gegen das Verbot des Friedensvertrags von 1919)
1935 (Mai)das erste fertiggestellte Teilstück der seit den 20er Jahren geplanten Reichsautobahn wird für den Verkehr eröffnet (Frankfurt - Darmstadt)
1935 (Juni)Umbenennung der Reichswehr in "Wehrmacht"
1935 (September)auf dem Reichsparteitag wird beschlossen, die schwarz-rot-goldene Flagge der Republik durch die kaiserlichen Farben schwarz-weiß-rot (mit Hakenkreuz) zu ersetzen;
das "Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" (Nürnberger Rassegesetz) verbietet Eheschließungen und sexuellen Verkehr zwischen Juden und Nichtjuden; das "Reichsbürger-Gesetz" schreibt einen "Arier-Nachweis" für staatliche Bedienstete vor und schließt die Juden von allen öffentlichen Stellungen und von der deutschen Staatsbürgerschaft aus
1936 (Februar)bei einer Automobilausstellung verkündet Hitler seinen Willen, einen "Volkswagen" bauen zu lassen

    
Einweihung des ersten fertiggestellten Autobahn-Teilstücks durch den "Führer"
1936 (März)Hitler kündigt den Locarno-Vertrag und läßt die Wehrmacht in das seit 1919 entmilitarisierte Rheinland einrücken; Völkerbund und Siegermächte protestieren, wagen es aber nicht, Sanktionen gegen Deutschland zu verhängen
1936 (August)die Olympische Spiele in Berlin tragen dem "neuen Deutschland" internationales Prestige ein
  Eröffnung der Olympischen Spiele durch den "Führer"

1936 (November)"Antikommintern-Pakt": deutsch-japanisches Bündnis gegen die kommunistische Internationale

    
Die Reichswehr nimmt das Saarland wieder für Deutschland in Besitz
1937 (10. Januar)nach München-Salzburg und anderen Teilstrecken wird nun auch der wichtige Autobahnabschnitt Berlin-Hannover für den Verkehr freigegeben; durch Großprojekte wie den Autobahnbau und die Wiederaufrüstung ist die Arbeitslosigkeit praktisch auf Null gesunken
1937 (30. Januar)Hitler will diejenigen Minister, die noch nicht Parteimitglieder sind, in die NSDAP aufnehmen; Post- und Verkehrsminister Rübenbach bekundet, er habe nicht die Absicht, in die Partei einzutreten
1937 (5. Mai)Stapellauf des Kreuzfahrtschiffs "Wilhelm Gustloff", das die Organisation "Kraft durch Freude" (die Freizeit-Abteilung der Deutschen Arbeitsfront, siehe oben) hat bauen lassen, um einfachen Arbeitern und Angestellten Schiffsreisen zu ermöglichen

    
Opern-Liebhaber Hitler zu Besuch in Bayreuth bei Winifred Wagner, der Schwiegertochter des Komponisten (1936)
1937 (18. Mai)Himmler als Polizeichef verbietet per Erlaß, im betrunkenen Zustand Auto zu fahren; darüberhinaus ist es Parteimitgliedern (aber nur diesen!) verboten, schneller als 100 km/h zu fahren - damit sollen Benzin und Reifen gespart werden
1937 (September)Staatsbesuch des italienischen Regierungschefs Mussolini in Deutschland; seit 1935 bestehen intensivere politische Beziehungen zwischen dem deutschen Diktator und seinem faschistischen Vorbild; beiden unterstützen 1936 im spanischen Bürgerkrieg den Putsch-General Francisco Franco, der Spanien bis 1975 diktatorisch regieren wird
1938 (Januar)unter dem Vorwand einer "unstandesgemäßen" Eheschließung Blombergs entläßt Hitler seinen Reichswehr-Minister und übernimmt selber das Oberkommando der Wehrmacht
1938 (März)Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich:
um zu verhindern, daß der österreichische Kanzler Schuschnigg die Eigenstaatlichkeit des Landes durch eine Volksbefragung zementiert, richtet sein Innenminister Seyß-Inquart ein Telegramm an Hitler, in dem er um die Entsendung deutscher Truppen bittet;
am 21. März marschieren deutsche Soldaten unter dem Jubel der Bevölkerung in Österreich ein; Seyß-Inquart bildet eine nationalsozialistische Regierung und vollzieht den Anschluß an Deutschland; Hitler, selber Österreicher, läßt sich die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten nachträglich durch Volksabstimmungen in Österreich und Deutschland absegnen (über 90% Zustimmung)

    
Der italienische Staatschef Benito Mussolini auf Staatsbesuch in Berlin
1938 (Mai)Gründung des Volkswagen-Automobilwerks in Wolfsburg; DAF-Führer Robert Ley ruft die Bevölkerung zu einer Sparaktion auf, die es jeder deutschen Familie ermöglichen soll, einen "KdF-Wagen" (VW-Käfer) zum Preis von 990 Reichsmark zu kaufen
1938 (September)nach mehreren Treffen Hitlers mit den Ministerpräsidenten Englands und Frankreichs, Chamberlain und Daladier, und Mussolini kommt es zum "Münchner Abkommen": die Westalliierten gestehen Hitler zu, im Oktober in die Tschechoslowakei einzumarschieren, um das überwiegend von Deutschen bewohnte Sudetenland in Besitz zu nehmen
1938 (1. Oktober)die Wehrmacht rückt in das Sudetenland ein, Hitler wird von Konrad Henlein, dem Chef der sudetendeutschen Partei, in Eger als "Befreier" begrüßt, nachdem die deutsche Minderheit im tschechischen Staat jahrelang benachteiligt und drangsaliert worden ist

    
feierliche Vorstellung der ersten "Volkswagen"-Autos
1938 (5. Oktober)Ausgabe neuer Pässe an alle Juden, in die auf Begehren der schweizerischen Regierung ein großes "J" eingestempelt ist, damit Auswanderungswillige an der Grenze leichter erkannt werden können
1938 (November)"Reichskristallnacht":
ein polnischer Jude erschießt in Paris den deutschen Botschaftssekretär Ernst von Rath, um auf die unheilvolle Situation der Juden in Deutschland und Polen aufmerksam zu machen;
Propagandaminister Joseph Goebbels nutzt den Vorfall, indem er SA-Leute und Parteimitglieder planmäßig Gewalttaten gegen Juden und jüdische Einrichtungen verüben läßt: Synagogen werden in Brand gesetzt, jüdische Geschäfte geplündert und zerstört, jüdische Bürger verprügelt und ermordet, über 20.000 verhaftet und in Konzentrationslager gesteckt;
die Geschädigten werden, soweit versichert, zunächst für materielle Verluste entschädigt, dann aber zur Zahlung einer kollektiven "Strafe" in Höhe von 1 Milliarde Mark verpflichtet; im Gefolge der Ausschreitungen werden die als "Untermenschen" diffamierten Juden mehr und mehr aus der Wirtschaft, dem Kulturleben und der Wissenschaft herausgedrängt

    
brennende Synagoge in Berlin
1939 (Januar)Ungarn schließt sich dem antikommunistischen Pakt Deutschlands, Italiens und Japans an
1939 (14./15. März)die "Zerschlagung der Rest-Tschechei":
am 14. März erklärt die Slowakei ihre Unabhängigkeit von der Tschechei; dadurch geschwächt und von Hitler im persönlichen Gespräch unter Druck gesetzt, unterschreibt der tschechische Präsident Hacha einen Vertrag über die Schaffung des "Reichsprotektorats Böhmen und Mähren"; deutsche Truppen nehmen die Tschechei in Besitz, der slowakische Diktator Tiso stellt sein Land "unter den Schutz des Reiches"

    
Der Reichsmarschall und Chef der Luftwaffe Hermann Göring, nach Hitler der zweitmächtigste Mann im Dritten Reich
1939 (23. März)durch ein Abkommen mit Litauen gewinnt Deutschland das im ersten Weltkrieg verlorene Memelgebiet zurück
1939 (26. März)der Nichtangriffsvertrag mit Polen wird von deutscher Seite gekündigt
1939 (31. März)Premierminister Chamberlain, empört über die deutsche Verletzung des Münchner Abkommens, beendet seine Appeasement-Politik gegenüber Hitler und gibt der polnischen Regierung eine Garantieerklärung ab für den Fall, daß Polen von Deutschland angegriffen werden sollte; Frankreich schließt sich dieser Erklärung an

1939 (August)"Hitler-Stalin-Pakt":
der deutsche Außenminister Joachim von Ribbentrop und sein sowjetischer Amtskollege Molotow unterzeichnen, für alle Welt überraschend, einen Nichtangriffvertrag; in geheimen Zusätzen wird die künftige Aufteilung Polens zwischen Deutschland und der Sowjetunion besiegelt

    
Joachim von Ribbentrop mit Josef Stalin in Moskau
1939 (1. September)Beginn des zweiten Weltkrieges:
nach einem Zwischenfall in der "Freien Stadt" Danzig gibt Hitler der Wehrmacht den Angriffsbefehl; deutsche Truppen überschreiten am frühen Morgen die polnische Grenze und eröffnen das Feuer
    
darauf erklären England und Frankreich dem Deutschen Reich den Krieg; der Großteil der polnischen Armee ergibt sich binnen 2½ Wochen, Warschau kapituliert nach dreitägiger, von Hitler hämisch beobachteter Bombardierung am 27. September;
die 1919 an Polen verlorenen Gebiete werden in das Reichsgebiet eingegliedert, im übrigen deutsch besetzten Polen wird ein "Generalgouvernement" errichtet; seit dem 17. September ist die Rote Armee in Ostpolen einmarschiert, das wie die baltischen Länder von Stalin vereinnahmt wird; Ende November greifen russische Truppen Finnland an ("Winterkrieg")
    
1939 (November)Georg Elser, ein Einzeltäter, verübt am 8. Oktober im Münchner Bürgerbräukeller ein Attentat auf Hitler; der "Führer" entgeht dem Anschlag, weil er das Lokal vorzeitig verlassen hat

1940 (9. April)um einem Festsetzen der Briten an der norwegischen Küste zuvorzukommen und die von der deutschen Rüstungsindustrie benötigten Erzlieferungen aus Schweden zu sichern, besetzen deutsche Soldaten im Handstreich Dänemark und Norwegen; Dänemark ergibt sich kampflos und behält seine eigene Regierung, die norwegische Regierung flieht nach London und wird durch einen deutschen "Reichskommissar" ersetzt, der mit dem Anführer der norwegischen Faschisten-Partei zusammenarbeitet

1940 (10. Mai)Beginn des Angriffs im Westen: unter Verletzung der Neutralität beider Länder marschieren deutsche Truppen durch die Niederlande und Belgien (Kapitulation am 15. bzw. 28. Mai), um zur französischen Ärmelkanal-Küste vorzustoßen und Dünkirchen einzunehmen, wo sich mehrere hunderttausend britische Expeditionssoldaten aufhalten;
im zweiten Abschnitt des Frankreich-Feldzuges wird die einst so gefürchtete "Maginot-Linie" von hinten aufgerollt, indem die deutschen Panzer vom Norden und Westen her auf Paris zurollen, das 14. Juni nahezu kampflos besetzt wird; der greise französische Marschall Pétain bittet um Waffenstillstand, der größte Teil Frankreichs wird von der Wehrmacht besetzt, für den unbesetzten Teil bildet Pétain eine Regierung von Hitlers Gnaden mit Sitz in Vichy;
nachdem Polen, Westskandinavien und Frankreich erobert sind, Schweden und die Schweiz Neutralität wahren und die meisten Länder Süd- und Südosteuropas mit Hitler verbündet sind, befindet sich allein noch Großbritannien im Krieg mit dem Deutschen Reich; Hitler steht im Zenit des Erfolgs und wähnt sich als genialer Feldherr

    
Die deutsche Wehrmacht in Paris
1940 (Juli)Beginn des Luftkriegs gegen England unter der Leitung des Luftwaffenchefs und Reichsmarschalls Hermann Göring; ein Friedens- und Verhandlungsangebot Hitlers lehnt die englische Regierung am 22. Juli ab, und so werden die Luftangriffe zunächst verschärft mit dem Ziel, eine Landung deutscher Truppen in Großbritannien vorzubereiten; wegen zu hoher Verluste wird das Landungsunternehmen aber schon im September aufgegeben; es gelingt den deutschen Fliegern nicht, die Lufthoheit zu gewinnen;
der neue britische Premierminister Winston Churchill wird zu Hitlers erbittertstem und letztlich unbesiegbaren Gegner

    
Feldmarschall Erwin Rommel, der Kommandeur des deutschen Afrika-Korps
1941 (März/April)Ausweitung des Krieges durch Angriff deutscher Truppen auf Jugoslawien und Landung in Libyen, nachdem Mussolini schon im Oktober 1940 gegen Griechenland losgeschlagen hat
1941 (Mai)Rudolf Heß, als Hitlers Stellvertreter und neben Göring designierter Nachfolger des "Führers" der dritte Mann im nationalsozialistischen Staat, fliegt allein und sehr wahrscheinlich ohne Wissen Hitlers nach Großbritannien; bis heute ist nicht geklärt, was seine Absichten waren und wer in Deutschland darin eingeweiht war; Heß wird bis Kriegsende eingesperrt

    
Rudolf Heß, bis zu seinem rätselhaften Flug nach Schottland Hitlers Stellvertreter als "Führer"
1941 (22. Juni)"Unternehmen Barbarossa":
deutscher Überraschungsangriff auf die Sowjetunion; Anfang September wird Leningrad eingeschlossen, Ende des Monats Kiew erobert und eine Großoffensive gegen Moskau begonnen, die aber bald zuerst im Schlamm, dann in der extremen Kälte des einsetzenden Winters steckenbleibt; Sinn des Rußlandfeldzugs sollte es sein, die Sowjetunion als möglichen Bündnispartner Englands auszuschalten;
der Diktator Stalin ruft das sowjetische Volk zum "großen vaterländischen Krieg" auf, und bereits ab November erfolgen Gegenoffensiven der Roten Armee an mehreren Frontabschnitten;
das Kriegsgeschehen in Rußland ist besonders grausam, indem es sich vielfach auch gegen die Zivilbevölkerung richtet, und erstmals finden Massendeportationen polnischer und russischer Juden und Vergasungen in den deutschen Konzentrationslagern im Generalgouvernement Polen statt; seit dem 1. September müssen die Juden in Deutschland und den besetzten Gebieten einen gelben "Judenstern" tragen
1941 (7. Dezember)Angriff japanischer Kampfflugzeuge auf den US-amerikanischen Militärhafen Pearl Harbor auf Hawaii; die USA und Großbritannien erklären Japan den Krieg;
dem Geist der Bündnisverträge mit Japan folgend, erklären ihrerseits Deutschland und Italien den USA den Krieg (11. Dezember) - der große, von Hitler entfesselte europäische Krieg ist zum zweiten "Weltkrieg" geworden

1942 (Januar)die Berliner "Wannsee-Konferenz":
vor SS-Gruppenführern und Vertretern verschiedener Ministerien erläutert Reinhard Heydrich, die 'rechte Hand' des SS-Führers Heinrich Himmler, seinen Plan zur sogenannten "Endlösung der Judenfrage": alle Länder im nationalsozialistischen Herrschaftsbereich sollten systematisch von den Juden "gesäubert", diese nun nicht mehr wie ursprünglich geplant nach Madagaskar, sondern nach Osteuropa deportiert, dort in Ghettos und Lagern "konzentriert" und zunächst als Arbeitskräfte ausgebeutet, letztendlich aber getötet werden; es gibt keinen direkten Beweis für einen Befehl von "oben", doch ist mit Sicherheit davon auszugehen, daß die Anweisung zur Ausrottung der Juden über Hermann Göring auf Hitler persönlich zurückzuführen ist, da Heydrichs Pläne den von Hitler in "Mein Kampf" geäußerten Absichten vollkommen entsprechen; um den beabsichtigten Völkermord weitestmöglich vor der deutschen Bevölkerung zu verheimlichen, werden alle regelrechten Vernichtungslager (Auschwitz, Treblinka, Majdanek, Sobibor, Belzec) im Süden und Osten Polens angelegt und von speziell ausgewählten SS-Einheiten geführt

    
Reinhard Heydrich
1942 (27. Mai)Ermordung von Reinhard Heydrich, der neben seiner SS-Funktion auch stellvertretender Reichsprotektor von Böhmen und Mähren ist, durch einen tschechischen Nationalisten; es folgen Racheaktionen der SS

    
General Paulus geht nach der Schlacht von Stalingrad in die Gefangenschaft
1942 (30. Mai)erster großer Bombenangriff der britischen Luftwaffe auf eine deutsche Stadt; betroffen ist Köln, fast alle großen deutschen Städte werden in den nächsten drei Kriegsjahren folgen
1942 (Oktober)die Schlacht um die südrussische Stadt Stalingrad, die Hitler um jeden erobert und gehalten sehen will, wird zum Symbol für die Wende des Krieges: nach zunächst erfolgreichem Angriff werden die deutschen und verbündeten rumänischen Verbände unter General Paulus von Stalins Truppen eingeschlossen und müssen sich, zwei Monate lang bei eisigem Winter unter riesigen Verlusten verzweifelt auf Unterstützung wartend, Anfang Februar 1943 hungernd und völlig erschöpft ergeben; 90.000 Soldaten gehen in russische Gefangenschaft, nur 6.000 von ihnen werden bis 1955 nach und nach zurückkehren; deutsche Truppen befinden sich seither fast überall in Rußland auf dem Rückzug
1943 (18. Februar)Propagandaminister Goebbels hält im Berliner Sportpalast seine berüchtigte Rede vom "totalen Krieg"
  Joseph Goebbels: "Wollt ihr den totalen Krieg?"
    

    
Propagandaminister Joseph Goebbels
1943
(18./22. Februar)
die Geschwister Scholl und andere Mitglieder der Münchner Studenten-Widerstandsgruppe "Weiße Rose" werden verhaftet und hingerichtet
1943 (März)Kapitulation des deutschen Afrika-Korps, das Hitler unter dem Befehl des Feldmarschalls Rommel zur Verstärkung der wankenden italienischen Truppen gegen die britische Afrika-Armee geschickt hatte
1943 (Juli)
Sturz der faschistischen Regierung Mussolinis; auf Befehl Hitlers wird der "Duce" von deutschen Soldaten aus Partisanenhand wieder befreit; deutsche Truppen besetzen Italien, um die alliierten Invasionen in Süditalien abzuwehren
1944 (Juni)alliierte Landung in Normandie:
am frühen Morgen des 6. Juni landen unter dem Befehl General Eisenhowers amerikanische, britische und kanadische See- und Landstreitkräfte an der französischen Nordseeküste; sie durchbrechen Ende Juli mit Panzerverbänden die deutschen Verteidigungslinien, rücken am 25. August in Paris ein und im folgenden auch auf breiter Front auf Deutschland vor

    
Hitler-Attentäter Oberst Graf von Stauffenber
1944 (20. Juli)
Attentatsversuch auf Adolf Hitler:
in der Hoffnung, das bevorstehende Unheil einer bedingungslosen Kapitulation Deutschlands noch abwenden oder mildern zu können, hat sich eine Gruppe von Wehrmachtsoffizieren verschworen, den "Führer" zu beseitigen und eine Staatsstreich-Regierung einzusetzen; Oberst Claus Graf Schenk von Stauffenberg deponiert bei einer Lagebesprechung im ostpreußischen Führerhauptquartier "Wolfsschanze" eine Aktentasche mit Sprengstoff neben Hitlers Platz; Hitler wird nur leicht verletzt, weil er sich zum Zeitpunkt der Explosion zu weit entfernt von der Sprengladung aufhält;
in den folgenden Wochen werden etwa 200 Angehörige des Verschwörer- und Widerstandskreises vom "Volksgerichtshof" abgeurteilt und hingerichtet, weitere rund 7000 Personen werden im Zusammenhang mit dem Anschlag verhaftet
1945 (Januar)die Rote Armee hat die deutschen Truppen bis über die Grenzen nach Deutschland zurückgedrängt: für die deutschen Soldaten ist aus dem Eroberungsfeldzug eine Kampf um die Verteidigung der Heimat geworden; die Russen zahlen die von der SS in Rußland begangenen Grausamkeiten mit doppelter Münze an die deutsche Zivilbevölkerung zurück, massenhafte Vergewaltigung von deutschen Frauen ist alltäglich

    
Churchill, Roosevelt und Stalin in Jalta (1945)
1945 (11. Februar)in Jalta auf der Krim treffen sich Stalin, Churchill und der amerikanische Präsident Roosevelt, um darüber zu beraten, wie mit Deutschland nach dessen Kapitulation zu verfahren sei; bereits hier wird die Einteilung in vier Besatzungszonen und die Errichtung von Militärverwaltungen beschlossen
1945
(13.-15. Februar
amerikanische und britische Flugzeuge bombardieren die mit Flüchtlingen überfüllte und militärisch bedeutungslose Barock-Stadt Dresden - mindestens 35.000 Menschen werden getötet, die Stadt ist vollkommen in Trümmer gelegt

Eva Braun
1945 (März/April)die Russen überrennen Ost- und Westpreußen und lösen eine Massenflucht der Deutschen in Richtung Westen aus; Großadmiral Dönitz rettet mit Schiffen der Marine bis Kriegsende rund 2 Millionen Flüchtlinge über die Ostsee vor der Roten Armee;
Köln am 7. März von den Amerikanern besetzt; Königsberg am 9. April, Wien am 13. April, Berlin am 2. Mai von den Russen erobert; Hamburg am 20. April von den Engländern eingenommen
1945 (23. April)in der Annahme, Hitler sei handlungsunfähig, versucht Reichsmarschall Hermann Göring, die Regierungsgewalt zu übernehmen; Hitler läßt ihn von SS-Leuten verhaften, die ihn jedoch nicht erschießen; unmittelbar nach der Kapitulation gerät Göring als ranghöchster Vertreter des nationalsozialistischen Regimes in amerikanische Gefangenschaft

    
Großadmiral Karl Dönitz
1945 (29./30. April)Hitler verfaßt sein "politisches Testament", in dem er Admiral Dönitz zu seinem Nachfolger ernennt; er heiratet seine langjährige Geliebte Eva Braun und begeht einige Stunden später mit ihr gemeinsam Selbstmord; wiederum nur Stunden später machen auch Goebbels und seine Frau ihrem Leben und dem ihrer Kinder ein Ende
  Großadmiral Dönitz meldet im Radio den Tod Hitlers
    
1945 (8./9. Mai)im Auftrag von Dönitz, der mit seiner provisorischen Regierung in Flensburg sitzt, unterzeichnet General Jodl in Reims, dem Hauptquartier der Westalliierten, gegenüber Eisenhower, tags darauf Feldmarschall Keitel in Berlin gegenüber Sowjet-Marschall Schukow die bedingungslose deutsche Kapitulation;
der Krieg in Europa endet mit der totalen Niederlage und dem Untergang des von Bismarck neugegründeten Deutschen Reichs

    
Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel unterzeichnet die deutsche Kapitulation
1945 (23. Mai)die Regierung Dönitz wird für abgesetzt erklärt und festgenommen
seit Mai 194512 Millionen deutsche Zivilisten werden aus den von der Roten Armee "befreiten" Ostgebieten vertrieben, Zehntausende werden als Arbeitssklaven nach Rußland verschleppt, etwa 2 Millionen werden von Polen, Tschechen und Russen ermordet

    
Flüchtlinge auf dem Weg nach Westen

1945 (Juli)auf der "Potsdamer Konferenz" beschließen die Regierungschefs der drei Siegermächte, Truman, Churchill und Stalin, über das weitere Schicksal Deutschlands; die Westmächte billigen Stalins Vorhaben, den polnischen Staat insgesamt nach Westen bis an die Oder-Neiße-Linie auf deutsches Gebiet zu verschieben und dafür Ostpolen der Sowjetunion einzuverleiben; der alliierte Kontrollrat in Berlin wird etabliert, Frankreich tritt als vierte Besatzungsmacht zu den Siegern hinzu;
politisch "unbelastete" Deutsche werden als Bürgermeister und Landräte eingesetzt; seit Juni ist die Bildung neuer, demokratischer Parteien erlaubt; Deutschland soll nicht versklavt oder auf Dauer zerstückelt, aber "entnazifiziert" und demilitarisiert werden




Generalmajor a.D. Gerd Schultze-Rhonhof spricht in seinem Vortrag in  München über die Kriegsursachen 1939 und deren Vorgeschichte.
Kriegsursachen 1939
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü